Eine Rüstung ist eine Rüstung ist eine Rüstung
Aus dem Leben von Thorgrom
Geschrieben von: Markus   
Mittwoch, 16. Juli 2008 09:00
"Ich dachte, Eure alte Rüstung war ein Erbstück! Warum habt Ihr sie eingetauscht?"

Hmpf, Menschen. Menschen denken stets nur in ihrer kleinen, kurzlebigen Welt. Fast so lang wie Elben sind sie, und doch liegt ihr Horizont oft nur so hoch wie ein Hobbitbauch und reicht auch nicht viel weiter fort, als die Gürtelschnalle davor.

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"Mein Herr, dies ist meine Rüstung, die ich geerbt habe von Thargrim, meinem Vater, die er geerbt hat von Thorg!"

Ich konnte dem alten Gerber ansehen, dass er meiner Erklärung nicht ganz folgen wollte - oder konnte. Er stand da, in seinem kleinen Marktstand in einer Seitengasse von Bree, umgeben von Bottichen die ein unsägliches Aroma von sich gaben, wie es nur die Gerber hervorbringen können (und vielleicht noch Fornost). Und für ihn, in seiner kleinen Welt, trug ich eine nagelneue Rüstung. Fort war die goldene Brustplatte, fort waren die breiten, flachen Schulterstücke mit den Scharnierbändern. Fort war der Helm mit der Rahmenspitze. Und stattdessen sah er numenorische Stahlspitzen an meinen Schultern, Helmzier aus Elbenhand und den glänzenden Ringpanzer.

Aber so sind sie eben, die Menschen. Und man kann es ihnen nicht verdenken. Wenn einer von ihnen 50 Winter erreicht, so gilt er als Greis. Und wer das Glück hat, eine volle Rüstung zu besitzen, der wird sie pflegen, so lange es geht und wird sie tragen, bis er stirbt. Wenn sie beschädigt wird, dann wird er versuchen, sie zu reparieren und vielleicht wird er sie am Ende seines kurzen Daseins weitergeben an seinen Sohn. Und irgendwann wird die Rüstung stumpf und spröde werden, wird rosten und schließlich wertlos sein. Denn keine Menschenrüstung ist heute noch wie die Rüstungen der Numenorer. Es ist einfache, solide, aber primitive Arbeit. Gemacht für den Augenblick, ohne Gedanken über die eigene Zeit und vielleicht noch die des Sohnes hinaus.

Ich aber trage eine Zwergenrüstung. Unser Leben war ein Kampf seit dem Tage an dem Durin erwachte. Kampf gegen den Berg, Kampf gegen die Bilwisse, die Orks, die Diebe und die Drachen und Kampf gegen den Schatten. Und unser Leben wird ein Kampf sein, bis zum Tage an dem Mahal uns zu sich ruft um mit ihm die neue Welt zu erschaffen. Und deshalb schmieden wir keine Rüstungen für einen Zwerg oder einen Kampf oder einen Krieg oder ein Leben. Wir schmieden Rüstungen nicht, damit sie nach 100 Jahren zu Rost und Staub zerfallen.

Wenn eine Rüstung unter dem Hammer eines Meisters geboren wurde, dann pflegen und erhalten wir diese Rüstung. Wenn sie nach einer Schlacht beschädigt ist, dann flicken wir sie nicht notdürftig, wir ersetzen jedes beschädigte Teil. Wenn die Ringe eines Kettenpanzers von einem Hieb verbogen wurden, dann setzen wir keine Platte darüber, wir ersetzen jeden einzelnen beschädigten Ring. Wenn ein Meister eine bessere Technik erlernt, dann wird er eine Rüstung umarbeiten, um sie stärker zu machen. Wenn wir einen mächtigen Gegenstand, ein Artefakt oder ein besonderes Rüstungsteil finden, dann werden wir alles tun, um es Teil unserer Rüstung werden zu lassen.
Ist unsere Rüstung deshalb nicht mehr unsere Rüstung?

"Wieviele deiner Barthaare sind diejenigen, die du in deiner Jugend getragen hast? Keines. Und ist es deshalb nicht mehr dein Bart? Wie viele deiner Vorfahren sind in deiner Familie gekommen und gegangen und ist nicht immer noch dieselbe Familie?"

Vieles habe ich in der kurzen Zeit erlebt, die ich jetzt in Eriador verweile. Viele Feinde habe ich erschlagen und manchen Schatz gefunden und manches Artefakt erhalten, sei es als Lohn oder sei es aus Dankbarkeit. Und ich ehre meine Rüstung und das Andenken meiner Vorfahren, indem ich jedes besondere Stück Eisen und Leder, dass ich finde in diese Rüstung einarbeiten lasse. Diese Rüstung hatte schon viele Farben, und nun ergänzen Schulterpanzer aus Numenor das darunterliegende Zwergeneisen und ein Helm der als Geschenk aus Bruchtal an mich ging wurde auf das Leder der alten Zwergenkappe gesetzt.

Es mögen Kettenglieder an dieser Rüstung sein, die einst den Atem von Durins Fluch in Moria gespürt haben. Vielleicht hat einer meiner Ahnen aber diese Teile auch ersetzt, nachdem sie befleckt worden waren. Ich weiß es nicht.

Aber eines weiß ich: Dies ist die Rüstung, die ich in den Schlachten um Eriador trage. Dies ist die Rüstung, die mein Vater Thargrim in der Schlacht der fünf Heere trug. Dies ist die Rüstung, die sein Vater Thorg in der Schlacht von Azanulbizar trug. Es ist die Rüstung, die sein Vater Tharieg in den Schlachten gegen die Kaltdrachen im grauen Gebirge trug.

"Und wenn Ihr Menschen das versteht, anstatt auf die Farbe oder das Muster der Brustplatte zu achten und dann zu behaupten, dies sei diese oder jene Rüstung, ohne sie wirklich zu kennen, dann besteht vielleicht ja doch noch Hoffnung, dass Ihr eines Tages echte Rüstungen schmieden werdet."

"Äh, ja, wie Ihr meint. Jedenfalls ist hier Euer lederner Nackenschutz zurück. Ich habe ihn umgearbeitet wie Ihr es wolltet, Herr Zwerg."

Ich beließ es dabei. Schließlich war er der alte Gerber mit seinen 50 Wintern ja ein Greis - nach menschlichen Maßstäben. Und folglich sah ich es ihm nach.

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Kommentare (1)
1 Donnerstag, 17. Juli 2008 07:26
Melereth
Ihr seht das richtig Herr Zwerg!

Wenn ein Schmied voller Stolz den Schmiedehammer seines Vorfahren benutzt, dann wurde sehr wahrscheinlich mal hier der Hammerkopf getauscht und dort mal der Stiel - jedoch ist es immer noch der Hammer der vererbt wurde...

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