Gedanken am Feuer - Nachrichten aus der Eiswüste
Aus dem Leben von Thorgrom
Geschrieben von: Markus   
Donnerstag, 23. Oktober 2008 21:00
Br. Brrr. Brrrrrr, verdammt nochmal! Während Thorgrom grummelnd versuchte, Vorder- und Rückseite seines Körpers gleichzeitig dem Feuer zuzuwenden, spriessten hinter seiner zerfurchten Stirn Ideen von riesigen Glutöfen, von dampfenden Kesseln und Kupfferrohren durch die der heisse Dampf strömen würde, von Wärme aus den Wänden und aus dem Boden und von der Decke herab. Die Technik dazu war uralt, ganze Bingen konnte man so beheizen.

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Aber hier? Hier waren es mal wieder Menschen, die den Großteil der Bevölkerung stellten. Und Menschen sind der Meinung, dass man unbedingt oberirdisch leben muss. Schnee und Eis, soweit das Auge reicht, beissende Kälte, keine Landwirtschaft möglich, kaum Holz verfügbar. Aber wozu unter der Erde bauen, wenn man doch einfach in toten Tieren wohnen kann? Die Behausungen hier bestanden nämlich im Wesentlichen aus ausgeweideten Mammuts. Der tiefere Sinn darin, Schutz und Wärme im Boden unterhalb der Frostgrenze aufzugeben um stattdessen durch die nie endenen Eisstürme zu taumeln um riesige, stinkende Fellkreaturen zu erlegen, in denen man dann wohnt, nachdem man die Eingeweide gegessen hat, nein dieser Sinn erschloss sich Thorgrom nicht.
Sicher, in diesem Boden eine Binge zu schaffen, das wäre viel Arbeit. Und Leitungen von den heissen Quellen zu verlegen ebenfalls. Und erst recht für die ungeduldigen Menschen. Wenn natürlich jedes Bauwerk in unter 100 Jahren fertig werden muss, kann man keine all zu hohen Ansprüche stellen.
Den einsamen Berg sollten diese Leute mal sehen, oder die Bingen unter den Eisenbergen! Ha! Vielleicht würden sie dann merken, dass es sich lohnt, zwei oder drei Generationen zu warten, wenn die Sippe danach nicht mehr in Kadavern hausen muss. Oooh, oder Khazad-Dum! Khazad-Dum sollten sie sehen. Und Throgrom selbst auch, so Mahal will. Irgendwann. Bestimmt!

"Du grübelst zu viel" sagte Throgrom zu sich selbst und warf noch einen Klumpen Tran ins Feuer.

"Wenn Du in deiner Binge sitzt, lasse deinen Geist wandern.
Aber wenn du auf Wanderschaft bist, zügele deinen Geist."

Das war ein altes Sprichwort, das in Thorgroms Familie seit Generationen weitergegeben worden war. Wer in der Fremde ist, wer eine Aufgabe zu bewältigen hat, der sollte sich darauf konzentrieren. Und nur wer erfolgreich zurückkehrt, hat sich damit das Recht erworben, seine Gedanken schweifen zu lassen, und der Nachwelt seine Überlegungen zu hinterlassen.
Also atmete Thorgrom einmal tief durch - was ihn schmerzhaft daran erinnerte, wie beissend kalt die Luft trotz des Feuers war - und widmete sich der uralten und nie endenwollenden Aufgabe des Kriegers: Fett!

Ein Krieger ist nur so nützlich wie seine Rüstung. Und ein guter Krieger beobachtet seine Umgebung genau, wenn er sich um seine Rüstung kümmert. Ist die Luft feucht? Sinkt die Temperatur nachts rasch? Brennt die Sonne? Reibt Sand? Und so paradox es klingt, hier oben im äußersten Norden waren die wärmenden Feuer das Problem. Draussen war es so trocken und eiskalt, dass nichts rosten konnte. Aber wehe man kam in die Nähe eines wärmenden Feuers. Dann kroch die Feuchtigkeit in kürzester Zeit in jede Ritze. Und während man draussen ein sehr weiches Fett brauchte, um die Ringe und Scharniere geschmeidig zu halten und sie am Einfrieren zu hindern, bräuchte man drinnen ein hartes Fett, dass auch am heissen Lagerfeuer nicht zu fliessen beginnt und die Rüstung vor Feuchtigkeit schützt.
Thorgrom wühlte in seinem Rucksack. Er hatte in den letzten Wochen viel über Mammutfett gelernt, und er hatte viele verschiedene Fette und Öle mit den Einheimischen getauscht. Jetzt war sein Geist wieder vor Ort, und er konzentrierte sich darauf die optimale Kombination zur Pflege seiner Rüstung zu finden. Denn das war die Aufgabe, die jetzt gerade wichtig war.
Auch wenn der Geist mit jedem eiskalten Lufthauch versucht war, wieder zu tiefen Bingen und heissen Quellen und dampfenden Kesseln zu wandern...hmpf. Nein. Eine Unterschicht aus Tran, dann polieren. Waffenöl in die Ritzen. Hmmm, und als Deckschicht? Grübel...grummel...
 

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