 Die Einen sind schon seit einer Woche auf Stufe 60, haben ganz Moria samt Schattenbinge, Balrog und Wächter auf Farmstatus und beschweren sich nun über mangelnden Content, während Andere gerade fasziniert die Minen von Moria erkunden.
Und dann gibt es die, die noch weit weit entfernt sind von Moria, weil sie Gelegenheitsspieler sind, weil sie erst seit kurzem Spielen oder weil sie sich einfach Zeit lassen. Und unter denen, da regt sich teilweise etwas Unsicherheit, was sie von Moria zu erwarten haben. Droht mit all den neuen Instanzen und legendären Waffen ein Zwang zur Fließbandarbeit, zu endlosem Raiden und gar eine klassische Itemspirale? Wird das Spiel zum Grindfest, wenn so schnell so viel neuer Inhalt rausgehauen wird? Sind vor lauter blauen und lilanen Über-Gegenständen die netten Dialoge und Aufgaben aus alten Auenlandzeiten vergessen?
Thorgrom, der ja selbst von einem Gelegenheitsspieler gesteuert wird, hat sich in einem kleinen Vorgriff auf Band 2 nach Eregion begeben und Buch 1 von Band 2 angespielt. Ich möchte eine Lanze für Moria brechen, all jenen Neulingen, Genießern, Gelegenheits- und Rollenspielern, die noch nicht vor den Toren Khazad-dûms stehen ein wenig Unsicherheit nehmen und stattdessen gerechtfertigte Vorfreude wecken. Lest Thorgroms Bericht und meine Kommentare:
"Khazad-dûm! Irgendwann im Leben einmal die Schwelle zu überschreiten und die Hallen der alten Zwergenbinge zu sehen, die Hallen in denen einst Durin IV regierte, das ist der Traum und das Ziel eines jeden Einzelnen von unserem Volk. Von Balin haben wir lange Jahre nicht mehr gehört. Und wir wissen nicht, ob er irgendwo im Reich unter Zirakzigil festsitzt und die Hallen verteidigt, oder ob längst wieder nur die Orks und Schlimmeres in den Hallen unserer Väter hausen.
Die Kunde von einer neuen Expedition hatte mich erreicht, eine Schar aus der Heimat, aus den Eisenbergen, war aufgebrochen um die Hallen Khazad-dûms von Westen her zu erreichen, von Hulsten aus. Ich war seit vielen Tagen und Nächten unterwegs, und endlich gelangte ich ins südliche Hulsten und konnte in der Ferne bereits die Gipfel des Nebelgebirges ausmachen."
Ich hatte Eregion bisher noch nicht gesehen, Thorgrom ist in der epischen Questreihe noch bei Buch V (ja, kein Witz!). Aber jetzt war da einerseits die Verlockung, nach Wochen in der Eiswüste des Nebelgebirges und von Forochel, doch mal wieder was Neues zu sehen und andererseits war da die Notwendigkeit, für Thorgrom eine brauchbare Einhandwaffe zu ergattern, nachdem sein treuer Speer "Schwarzzahns Untergang" freundlicherweise mit dem Moria-Update komplett aus dem Spiel gelöscht worden war. Also entschied ich mich, zumindest Buch 1 von Band 2 einzuschieben, auch wenn es den zeitlichen und logischen Ablauf der Geschichte stark strapaziert.
"Ich erreichte das Tal des Sirannon und bald traf ich auf die Schar um die ehrenwerten Herren Bósi und Brogur, die die Expedition gen Moria anführen. Die Zwerge waren im ganzen Tal und den Weg hinauf zum Hulstentor verstreut und überall wurde emsig gearbeitet. Denn es gab viel zu tun, das Hulstentor selbst war von einem scheinbar erst vor kurzem abgegangenen Felsrutsch verschüttet, es war schwer, Karren und Gerät überhaupt den steinigen Weg hinauf und entlang des morastigen Ufers des schwarzen Teiches zu schaffen und ständig störten Wölfe und Crebainkrähen die Arbeiten. Einzelne Vor- und Nebenhöhlen mussten erkundet werden, Werkzeug musste ausgebessert und die spionierenden Crebain vertrieben werden und so tat ich mein bestes, an allen Stellen zu helfen so gut ich konnte."
Das Bild hier zeigt Herrn Brogur, einen der beiden Expeditionsleiter. Was fällt auf? Entgegen der gewohnten - und für Zwerge völlig unpassenden - grünen Wamse mit irgendeinem mittelalterlichen Wappen darauf, wie man es seit den ersten Wachen gewohnt gewesen ist, die einem in den Ered Luin auf Stufe 1 begegnet sind, wurde Herrn Brogur nicht nur eine imposante nagelneue Kleidung mitsamt Textur spendiert (und noch imposanterer Gürtelschnalle), sondern auch die Gesichtszüge, Ausdruck und Details wie die Augenklappe und die Kettenkapuze zeugen von neu gefundener Detailliebe und sind um Welten entfernt vom Standard-Zwergen-NPC den wir mittlerweile von Thorins Hallen über Othrikar bis Gabilshatur gewohnt waren.
Und das gilt nicht nur für Meister Brogur, auch sein Vetter Bósi, ihre Wachen und viele andere Zwerge der Schar zeigen eine Abwechslung und einen Detailreichtum, der zumindest bei mir jede vage Befürchtung, Moria könnte eine einzige langatmige Höhlen-Hackerei auf der Hatz nach legendären Gegenständen werden im Keim erstickt und stattdessen die Vorfreude noch gesteigert hat.
Noch ein Beispiel? Es gibt hier nicht nur Karren der Marke "Bree-Händler, standard", sondern es wurden richtig feine neue Zwergen-Expeditionskarren entworfen, mit gewölbedeckenfreundlichem Aufbau mit Abschrägung links und rechts oben, mit Kranhaken und Werkzeugen, wie sich das für Zwerge gehört.
"Viele Aufgaben gab es zu erledigen, viel zu helfen, und Ernst und Herausforderung des kühnen Plans wurde schnell all zu deutlich, als klar wurde, das die ersten Tapferen der Schar beim Erkunden einer der Nebenhöhlen bereits ihr Leben gegeben hatten, ohne je den letzten versprochenen Lohn zu erhalten, die Schwelle nach Khazad-dûm zu überschreiten.
Ich will niemanden langweilen mit Geschichten von mühsamer Arbeit, Arbeit ohne Ruhm oder Glanz, und dennoch notwendig und wichtig. Stattdessen erzähle ich vom letzten Abend vor den Toren, nachdem wir nur noch einen Pickelschlag getrennt waren von der Schwelle des Hulstentos und es uns doch nicht vergönnt sein sollte, die Binge zu betreten."
Die Aufgaben zur Unterstützung der Expedition sind abwechslungsreich gestaltet und die Zahl der zu besiegenden Gegner hält sich in angenehmen Grenzen. Die Zeitdauer des Buches ergibt sich aus straffen aber häufigen Dialogen und einem zügigen aber dennoch detailreichen Fortschritt der Geschichte, nicht aus dem alten Trick, den Spieler 24 statt 4 Crebain töten zu lassen oder endlos lange Wege zurücklegen zu müssen, ein Trick dem leider auch die HdRO Entwickler ja hin und wieder verfallen sind. Sehr auffallend sind außerdem die eingestreuten Nebendialoge, die man mit etwas Glück verfolgen kann, während man entlang der Schauplätze der Expedition unterwegs ist. Auch hier zeigt sich wieder viel Spaß und Wortwitz, ein Beispiel in der kleinen Abfolge aus 4 Bildern hier:
Die Diskussion der drei Zwerge geht noch weiter und trotz aller Anspannung muss man einfach schmunzeln, wenn man so was im Vorbeilaufen mitbekommt.
Ebenfalls liebevoll ist die kleine Hommage an Pippin in Form von gelangweilten Zwergen, die sich die Zeit vertreiben, indem sie Steine in den schwarzen Teich werfen, während das Hulstentor noch verschlossen ist - wenn sie da nur nichts ungewolltes mit aufwecken...
"Alles war vorbereitet. Die letzten Vorarbeiten waren erledigt, wir hatten gerade eine überraschende Attacke von wildgewordenen Wölfen heldenhaft abgewehrt und nur noch wenige Felsbrocken trennten uns vom Hulstentor! Nach all meiner Hilfe erwies mir Meister Bósi die Ehre, mich selbst zum Pickel greifen zu lassen um das Tor freizulegen.
Die Gefährten versammelten sich und wir bereiteten uns darauf vor, die Schwelle zu übertreten. Doch die bedrohliche Präsenz des ominösen schwarzen Teiches, die uns allen schon die ganze Zeit über aufgefallen war, war plötzlich stärker denn je. Ein eiskalter Lufthauch schien vom Wasser her zu uns hinüberzuwehen und noch während Herr Bósi seine Ansprache hielt, wanderte ein Augenpaar nach dem anderen zur immer noch stillen Oberfläche des Sees.
Urplötzlich entlud sich die Anspannung in einem Aufbranden des Wassers und riesige, grauenhafte Tentakel schossen empor! Noch ehe der Erste unter uns die Waffen gezückt hatte, war bereits Herrn Brogurs Sohn von den Tentakeln ergriffen und auf den See hinaus gerissen worden. Während nur eine Sekunde später bereits Schwerter und Äxte der Gefährten im Mondlicht blitzten, hallte Brogurs Befehl durch die Nacht: 'Thorgrom, schnell, holt Hilfe! Zum Lager!" Seht in dieser Galerie, wie es geschah:
Ich rannte los, meine Streitaxt in Händen, doch die Tentakel schienen auch mich bemerkt zu haben und wie unsichtbare Geisterhände schienen sie mir zu folgen und schossen unversehens aus dem Wasser, während ich am Ufer entlang stürmte. Springend, ausweichend und immer wieder einen schnellen Hieb anbringend kämpfte ich mich am Ufer entlang zum unteren Basislager. Ich hörte schon hinter mir, dass weitere Zwerge mir gefolgt waren. Und bis ich das Lager erreicht hatte musste ich feststellen, das der Kampf bereits verloren war und die Überlebenden in wilder Flucht ins Lager stürmten."
So, und nun stehen unsere zwergischen Freunde am Fuße des Berges und der Wächter versperrt ihnen den Weg. Thorgrom hat aus einem der alten Waffenlager die die Zwerge in den Vorhöhlen ausgebuddelt hatten eine grandiose alte legendäre Waffe erhalten, und er wurde mit der Aufgabe betraut, diese mächtig genug zu machen, um dem Wächter entgegentreten zu können. Doch bis es soweit ist, wird Thorgrom erstmal nach Eriador zurückkehren und sich ins hier und jetzt begeben um Band 1 abzuschließen.
"Wir werden die Schwelle übertreten, und der Wächter im Wasser wird uns nicht daran hindern. Es ist unsere Bestimmung, das Erbrecht und die Pflicht jeden Zwerges. Bald wird mein Kriegshammer mächtiger sein, als jede Waffe die in unserer Familie je geschwungen wurde, und kein Tentakel wird mich und Bósis und Brogurs Schar daran hindern, unser rechtmäßiges Erbe anzutreten! Warte nur, Wächter!"
Freut Euch auf Moria, Leute. Es gibt große Instanzen und mächtige Gegenstände, legendäre Waffen und unvorstellbare Gegner - aber es gibt auch wieder diese Liebe zum Detail, die Nebendialoge, die aufwändigen Kleidungstexturen, das Licht und die Stimmung und all die kleinen Momente, die schon damals das Auenland zu einem der bezeichnenden Momente der MMO-Geschichte gemacht haben. Nur halt diesmal mit Bärten. Ich freue mich auf das Innere Morias und ich bin zuversichtlich.
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Ich persönlich finde auch das MoM vom Design und der Atmosphäre der absolute Wahnsinn ist.
Ich war bisher auch noch nicht so oft in den Minen und wenn ich drin war hab ich auch immer versucht alles genau zu erkunden und zu entdecken, aber da ist viel Neues und Sehenswertes, das ich noch warte bis die ganzen "Drängler" durch sind und sich in den Instanzen austoben.
Mit dem neuen "Kampfsystem" kann ich mich zwar zur Zeit nicht so anfreunden, aber da muss ich mal noch den neuen Patch abwarten.
Aber grafisch ist Moria ein wahrer Augenschmaus :)
Der erste Eindruck, den man schon vor dem Hulstentor vermittelt bekommt, bestätigt sich in den weiten Hallen Morias vollends. Vorrausgesetzt man nimmt sich etwas Zeit und achtet auf Details, wie sie hier beschrieben wurden.
Es ist Turbine und Codemasters wieder gelungen wirklich stimmige und auch nachvollziehbare Ereignisse, Designs und Geschichtchen zu entwerfen.
Allen zukünftigen Besuchern Morias kann man wirklich nur Mut zusprechen. Auch wenn man vielleicht von den vielen neuen Features der legendären Items, neuen Funktionen der Klassentraits und neuen Instanzen erstmal etwas erschlagen wird, hat man mit ein wenig Geduld schnell den Lauf des Hasen erkannt.
Ein Beispiel sei mir erlaubt. Thorgrom beschreibt in seinem Bericht die detailreichen neuen Texturen bei den Zwergen oder die entsprechenden Karren.
Beobachtet man eine seiner neuen legendären Waffen genauer, wird man feststellen, wie sich die Texturen und Details mit jedem Aufstieg bzw Neuschmieden verändert.
Das allein ist ein wirklich schönes Feature und erzeugt prima Momente.
Auch kann man sagen, dass das Design der neuen Instanzen viel leichter für Gelegenheitsspieler zugänglich ist.
Zwar kommt man auch in Moria nicht umhin sich mit anderen zusammenzutun und bestenfalls vielleicht regelmässige Termine einzurichten, aber die Instanzen selbst dauern nicht lange und es werden keine IDs vergeben.
Der Schwierigkeitsgrad ist straff aber nicht unfair. Jedenfalls die, die ich bislang gesehen habe.